Ausbilden von Hunden

Als ich 2005 erstmals in den Hundesport hineingeschnuppert habe, hatte ich mit RAILA zwar schon meinen zweiten DSH, aber von der Ausbildung eines Hundes nicht den blassesten Schimmer....

Das sollte ich also von da an von Menschen mit jahrzehntelanger Erfahrung lernen.

Zunächst war da also die Sache mit den Menschen. Die Menschen neben den Hunden.

Aus der Menschen-Ausbildung kannte ich es bisher so, dass zunächst ein Ziel oder sogar Zwischenziele genannt und vereinbart werden.

Dann werden der Ablauf und ggf. technische Dinge erklärt.

Danach beginnt man mit kleinen Schritten, die leicht gelingen.....

Hier war jedoch alles anders.

Alle Hunde sind gleich ... Eine junge Hundeführerin mit einer sensiblen Magyar Viszla Hündin musste sich in unserer Ortsgruppe mit Tränen in den Augen dagegen wehren, ihrer Hündin "endlich mal eine zu knacken, damit sie mit der Verarscherei aufhört." 

Ich begann zu zweifeln.

Der junge Sportsfreund, der ein Seminar bei Professor Lindt besucht hat, wurde mit großem Gelächter bedacht. MO (Motivationsobjekt), passive Hilfen und Klicker waren moderner Scheiß.

Als Schutzdiensthelfer war der junge Mann nun auch nicht mehr zu gebrauchen, weil er etwas neues gelernt und versucht hat, es anzuwenden. Ab sofort war er leider "beratungsresistent".

Ich hab's nicht verstanden.

Eines Tages trainierte eine Sportsfreundin aus einem anderen Verein auf unserem Platz.

"Bei euch gehen ja alle Hunde schräge! Was macht ihr denn hier?" fragte sie.

Tatsächlich: alle Hunde liefen grundsätzlich schräg und immer vor bzw. ins linke Bein.

Das war für mich ein Auslöser.

Dann habe ich selbst mal ein Tagesseminar besucht. Thema: "Mein Hund bellt andere Hunde an". Haupt-Tenor des Referenten war die Gegenkonditionierung. Bisher war die Fachempfehlung meiner über Jahrzehnte erfahrenen Trainer mit hunderten bestandener Prüfungen für solche Situationen: Stachel, reinknallen und anschreien. Geändert hat sich dadurch nichts, im Gegenteil. Und siehe da, es geht auch mit Ruhe, Geduld und Leckerlie oder Spielie. Geändert hat sich ganz viel.

Das war für mich der letzte Auslöser.

 

Ich habe dann begonnen, anderen "Hundemenschen" ganz gezielt zuzuschauen und das eine oder andere zu erfragen. Am besten war es (ist es immer noch), denjenigen Hundsportlern zuzuschauen, über welche "die Alten" lachen, und denjenigen dann ein Loch in den Bauch fragen.

Das erste Buch war gekauft und Interesse, Motivation sowie Unterstützung waren auch im privaten Umfeld vorhanden.

 

Dann ausprobieren.

Was nicht klappt wird nicht weitergemacht.

                                                      Was klappt wird an andere Sportler weitergegeben.

 

Wesentliche Erkenntnisse bis heute:

 

   Das meiste klappt -         Sie standen dann drinnen hinter dem Fenster und machten sich lustig über mich.

                                                          Albern sieht es aus, wenn ich hinter meinem Schützling gehe und "Klick klack" mache. 

                                                          Kein Leinenruck, kein Hochhängen, keine Korrektur mit der Hand, kein Schlagen,

                                                            kein Treten und kein Anschreien.

                                                          Da kann ja nix vernünftiges bei rauskommen!

                                                          Da! Der Hund macht einen Fehler und wird nicht sofort bestraft!

                                                          DEEEER Hund wird es nie lernen!

Die Alten lachen immer noch,

wissen aber nicht warum.

                                                                                       Übrigens: Der WUSV-Weltmeister 2016, Waclav Ouska, klickert!

Lies dazu auch Bart Bellon

    Kein Hund ist wie der andere!

    Hunde sprechen und verstehen unsere Sprache nicht!

    Wir müssen mit ihnen klare Signale vereinbaren ...

    ... und viel weniger zu ihnen sprechen.

Wenn der Hund einen Fehler macht, hat der Hundeführer nicht richtig agiert!

 

Hunde haben "Verarschen" nicht in ihrem biologischen Programm!

Sie sind große Egoisten, es brächte ihnen keinen Vorteil. 

    Nur der Mensch arbeitet einen Monat lang und hofft auf Belohnung!   

     Hunde tun etwas nur, wenn sie sich im Jetzt und Hier einen Vorteil erhoffen.   

    Hundetraining hat mit Beziehung zu tun,

                                           nicht mit Diktatur.

Körperliche Züchtigung führt nicht zum Ausbildungserfolg!

Denn:

Gewalt hat seinen Ursprung dort,

wo Wissen aufhört

und Verzweiflung ihren Anfang nimmt.

Wenn Hunde etwas aus Angst tun oder lassen, sind sie eine Gefahr.

 

Meine derzeitige Hündin DELTA und ich arbeiten als

Sport-Rettungshundeteam (mehrfach RH2BFL),

im IPO-Bereich (IPO1),

in der Stöbersuche (StPr3)

in der Geruchsdifferenzierung

u. alles, was uns interessiert und Spaß macht.

 

 

 

 

 

Wir zwei haben - eben wohl wegen unserer guten Kooperation -  auch schon recht erfolgreich an einigen überregionalen Veranstaltungen teilgenommen.

 

Das Wichtigste war für uns immer nur die Teilnahme und die Freude, dabei etwas zu lernen.

 

Mit anderen Hundemenschen eine Leidenschaft teilen zu dürfen, ist ein schönes Geschenk.

Foto links: DELTA ist RH-Landesmeister Niedersachsen 2015

 


 

Viele Bücher, Seminare, Experimente, viele Besuche bei aktiven Hundesportlern sowie Diensthundeführern (Zoll, Polizei, Bundeswehr) und vor allem selbst breitbandig ausgebildete Hunde

haben als Bestätigung dazu geführt, dass ich mir das eine oder andere inzwischen zutrauen darf.

Ausbildungsbereiche/-disziplinen und mein Verständnis dazu.

 

Ganz sicher sind es noch nicht viele....

... aber diejenigen Hundeführer, die sich mit meiner Hilfe auf eine Prüfung vorbereitet haben, haben diese Prüfung auch vorzeigbar bestanden oder sogar Titel gewonnen.

Erziehung und Ausbildung sind untrennbar.